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News - Maritime Nachrichten

12.04.2017

Segelschiff Sicherheitsverordnung: Lovis freut sich über Wende im Streit - nun müssen Taten folgen!

Lovis am Wind / Foto Lovis

Berlin

An Bord der Lovis herrscht Freude. Aber so ganz ist die Erleichterung über die Wende in dem Streit über die neue Schiffssicherheitsverordnung noch nicht vorgedrungen. Nach einem halben Jahr voller unbeantworteter Gesprächsangebote und vergeblich geschriebener Fachkommentare und Fragen ist die Gesprächszusage von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) an die betroffenen Schiffe von vergangener Woche ein guter Anfang.

„Die Zusage erfordert jetzt, beim Wort genommen, dass das Ministerium zurückrudert. Bisher wurde keine Beteiligung der Betroffenen geduldet. Sogar die Bedenken vom Bundesrat, den Küstenbundesländern und Stadtparlamenten sind nicht durchgedrungen. Wir hoffen, dass Dobrindt die Größe besitzt, sich jetzt wirklich von dieser Linie zu verabschieden“, sagt Annika Härtel vom Segelschiff Lovis.

„Die Lovis, vor fast 20 Jahren von jungen Leuten in Eigenregie aufgebaut, ist seither immer wieder ein Beispiel dafür, dass es möglich ist, Gesellschaft mitzugestalten und sich aktiv einzubringen. Für solch ein basisdemokratisches Grundverständnis werben wir bei jeder unserer Fahrten mit Jugendgruppen und Schulklassen. Daher waren wir von dem bisherigen intransparenten Prozess rund um die Verordnung auch so enttäuscht. Wir hätten uns demokratische Teilhabe und konstruktive Zusammenarbeit mit den offiziellen Stellen gewünscht hätten.“ 

Für die Lovis hängt viel davon ab: Fast 900 Menschen wollen in diesem Sommer mit uns fahren, wir haben Pläne und Anfragen für Reisen in den kommenden Jahren. Die Crew der Lovis hat ein großes Interesse daran, dass eine gute, tragfähige Vorschrift zustande kommt, die einerseits Sicherheit für ihre Mitsegler*innen garantiert, gleichzeitig Rechtssicherheit bietet und weiterhin ermöglicht sich mit dem Schiff in die Gesellschaft einzubringen. 

„Dementsprechend sind wir erleichtert, dass es jetzt zu dem lange gewünschten Fachdialog kommen soll. Wir erwarten eine zügige, konsequente und konstruktive weitere Umsetzung. Im besten Fall entsteht daraus eine verbesserte Partnerschaft zwischen Zivilgesellschaft und zuständigen staatlichen Stellen. Und kommt damit sowohl der Sicherheit auf den Schiffen als auch ihrem langfristigen Erhalt zugute.“ sagt Annika Härtel.

„Wir werden auch weiterhin viel Kraft darein stecken, diesen Prozess mitzugestalten und unsere Bedürfnisse und Expertise einbringen. Wir sind dankbar für das Interesse und die Unterstützung der Öffentlichkeit und werden Sie weiterhin auf dem Laufenden halten.“

Darum geht es: 2013 war der Konflikt um die Zukunft der Traditionsschiffe schon einmal hochgekocht und heftig in der Öffentlichkeit diskutiert worden. Nachdem das Ziel, die Zukunft der Traditionsschifffahrt  sicherzustellen, Eingang in die Koalitionsvereinbarungen gefunden hat, schien alles auf einem guten Weg. Offenbar ein Trugschluss: Der neue Entwurf lässt bei den Betreiber_innen der Schiffe alle Alarmglocken läuten.

Das sehen auch das Bundesfamilien- und Bundeswirtschaftsministerium so, die beim Verkehrsministerium ihre Bedenken angemeldet haben. Und: Die Parlamente der Küstenbundesländer, der Hansestadt Greifswald und auch der Bundesrat haben das Verkehrsministerium bereits dazu aufgefordert, den fehlenden Dialog mit den Schiffen nachzuholen. Bisher ohne Erfolg.  

Ein großer Kritikpunkt an der Verordnung: Sie orientiert sich sowohl bei technischen als auch bei Besatzungsfragen, an Standards der Berufsschifffahrt. Und die sind für die ehrenamtlich betriebenen Schiffe mit historischer Bausubstanz in der Summe  nicht umsetzbar. Wenn jetzt nicht interveniert wird, ist der Verlust eines wertvollen Kulturguts das Ergebnis. Die Lovis: Seit 2000 fährt das Traditionssegelschiff Lovis mit Schulklassen, Jugendgruppen und Erwachsenen auf der Nord- und Ostsee. Dabei sind rund 80.000 Seemeilen zustande gekommen, rund 10.000 Menschen sind auf unserem Schiff gesegelt. Das Schiff wird ehrenamtlich betrieben, wir bieten Seminare zu ökologischen, politischen und sozialen Themen an und leben Eigenverantwortung und Engagement vor.