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News - Maritime Nachrichten

27.07.2016

Feste Fehmarnbeltquerung: Vorteile für die Region weiterhin unklar

Die Vogelfluglinie bietet täglich 100 Überfahrten an. 365 Tage im Jahr. Angesichts der am 28. Juni 2016 veröffentlichten Publikatio des Fehmarnbelt Business Councils (FBBC) zu den Potentialen des Fehmarnbelt-Tunnels bleiben für Scandlines nach wie vor viele Fragen offen. Beispielhaft hierfür sind die Themen Umweltverträglichkeit, regionale Wirtschaftseffekte und Erreichbarkeit.

Das FBBC argumentiert mit der Einsparung von 160 km Strecke und 127,7 kg CO2 für einen 40-Tonnen-LKW bei Nutzung des Fehmarnbelt-Tunnels im Vergleich zur Jütland-Route. Die klimafreundlichere Route mit der Fähre über den Fehmarnbelt ist für die meisten LKW im Nord-Süd-Verkehr bereits heute erste Wahl. Mit seinem Hybrid-System spart Scandlines bis zu 15 Prozent CO2 auf jeder Fahrt. Die mittelfristige Entwicklung eines emissionsfreien Fährverkehrs verbessert die Klimabilanz in naher Zukunft noch einmal signifikant. Demgegenüber steht allein der Bau des Tunnels für die CO2-Emissionen eines 70-jährigen herkömmlichen Fährbetriebes. Von einem umweltfreundlichen Projekt kann hier kaum die Rede sein.

Anders als angekündigt nennt das FBBC keine konkreten positiven Wirtschaftseffekte für die ländliche Region rund um den Fehmarnbelt. Es verweist lediglich auf eine Befragung unter 60 regionalen Wirtschaftsvertretern, obwohl es angeblich mehr als 400.000 Unternehmen repräsentiert. Beispielhaft für profitierende Unternehmen wird u. a. ein Postdienstleister genannt, der durch die Große Beltquerung Doppelstrukturen und somit Beschäftigung abbauen konnte, sowie eine Cateringfirma, die lediglich in der Bauphase Arbeiter mit Mahlzeiten versorgen kann.

Zuletzt stellt das FBBC die verbesserte Erreichbarkeit von 180 nationalen und internationalen Flugzielen durch die sechs Flughäfen in der Fehmarnbelt-Region in Aussicht. Unabhängig von der Frage, warum ein Südschwede den Regionalflughafen Rostock-Laage über den Fehmarnbelt anfahren sollte, und der Tatsache, dass seit April 2016 kein Linienverkehr mehr in Lübeck verkehrt, bleibt angesichts des bestehenden Fährverkehrs unklar, warum hierfür ein milliardenschweres Schienen- und Straßenprojekt benötigt wird.

In Bezug auf das eigene Unternehmen stellt Scandlines’ CEO Søren Poulsgaard Jensen klar: „Dass das FBBC den Erhalt unseres Fährbetriebes anerkennt, freut uns sehr. Wenn herausgestellt werden muss, dass die Beltquerung unabhängig vom Fährfahrplan genutzt werden kann, weise ich gerne darauf hin, dass wir LKW-Fahrern die gesetzlichen und Reisenden die willkommenen Ruhepausen ermöglichen – zu einem günstigeren Preis und auf 100 Überfahrten pro Tag. Viel flexibler ist ein Tunnel auch nicht.“

Aktuell setzt Scandlines auf die zweite Auslegungsphase für die Planungsunterlagen zur Festen Fehmarnbeltquerung, die vom 12. Juli bis 12. August stattfindet. Die anschließende verkürzte Einwendungsphase läuft bis zum 26. August. Auch wenn der Zeitpunkt mitten in der Feriensaison ungünstig ist, hat die Reederei vollstes Vertrauen in die sorgfältige Abwicklung des Prozesses durch die zuständigen Behörden.

„Wir sind uns sicher, dass sich weder der LBV noch die Betroffenen von weichen Argumenten und unbelegten Behauptungen beeindrucken lassen, und sich wieder zahlreiche Bürgerinnen und Bürger mit Einwendungen engagieren werden. Denn sollte es zum Tunnelbau kommen, ist es das wichtigste, dass die Interessen aller Beteiligten gebührend berücksichtigt werden“, so Poulsgaard Jensen abschließend.

Über Scandlines

Scandlines steht als Symbol für eine historische und enge Zusammenarbeit zwischen Deutschland, Dänemark und Schweden seit 1872. Unter den Namen Scandlines und Scandlines Helsingør-Helsingborg werden heute drei Fährrouten mit hoher Frequenz und Kapazität und mit einer grünen Vision für die Zukunft vermarktet.

Das Kerngeschäft sind effiziente und zuverlässige Transportdienstleistungen für sowohl Passagiere als auch für Frachtkunden. Im Fokus steht dabei, Mehrwert für die Kunden an Bord der Fähren sowie in den Scandlines-Shops an Land zu schaffen.

Mit mehr als 90.000 Abfahrten verteilt auf 12 Fähren transportierte Scandlines 2015 insgesamt 15  Millionen Passagiere, 3,3 Millionen Pkw, 900.000 Frachteinheiten sowie 65.000 Busse auf den Routen Puttgarden-Rødby, Rostock-Gedser und Helsingør-Helsingborg.